{"id":148,"date":"2010-08-07T13:35:22","date_gmt":"2010-08-07T13:35:22","guid":{"rendered":"http:\/\/new.tordy.at\/?p=148"},"modified":"2018-05-26T10:48:31","modified_gmt":"2018-05-26T08:48:31","slug":"erwartungshaltungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tordy.at\/index.php\/2010\/08\/07\/erwartungshaltungen\/","title":{"rendered":"Erwartungshaltungen"},"content":{"rendered":"<p>Eine Frage, die man mir und die ich mir immer wieder stelle, lautet: Was d\u00fcrfen sich KlientInnen \/ KundInnen \/ PatientInnen bei mir erwarten? Die Antwort darauf f\u00e4llt mir so gut wie nie leicht. Zum Einen gibt es die gut \u00fcberlegten und lange abgehangenen Forderungen. Etwa: In der direkten Begegnung den vertrauensvollen Umgang mit den Inhalten; den Respekt vor der Einzigartigkeit des Gegen\u00fcbers; die Wertsch\u00e4tzung vor deren\/dessen L\u00f6sungskompetenz;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>die Achtung der W\u00fcnsche und Erwartungen an die Therapie oder den Beratungsprozess, usw. Zum Anderen gibt das handwerkliche K\u00f6nnen, das oft genug dem Anspruch entgegensteht: Was nutzen der Respekt vor der Einzigartigkeit und die Achtung der W\u00fcnsche des Gegen\u00fcbers, wenn schlicht die F\u00e4higkeit fehlt, den konkreten Wunsch meiner Patientin \/ meines Patienten zu erf\u00fcllen: &#8222;Machen Sie mich bitte in dieser Stunde noch gesund!&#8220;, oder: &#8222;Machen Sie, dass das weggeht&#8220; \u2026<br \/>\nAm konkreten Beispiel verlieren sich die Allgemeinpl\u00e4tze in ihrer Beliebigkeit. Und trotzdem haben die genannten Anspr\u00fcche ihre Berechtigung: Achtung, Wertsch\u00e4tzung, Respekt und Zutrauen geh\u00f6ren in ihren mannigfaltigen Interpretations- und Bedeutungszusammenh\u00e4ngen zum Grundverst\u00e4ndnis einer jeden psychotherapeutischen Schule: Von der Psychoanalyse bis hin zur provokativen Therapie.<br \/>\nWer will schon &#8222;krank&#8220; sein? Wer will schon &#8222;leiden&#8220;? Selbstverst\u00e4ndlich kann man nach dem &#8222;sekund\u00e4ren&#8220; Krankheitsgewinn fragen, genau so wie man nach dem Guten im B\u00f6sen fragen kann: &#8222;Was haben Sie davon, dass Sie krank sind?&#8220; Therapeutisch ist es allemal erhellend, nach den Mustern der Leidensgeschichte zu fragen. Zweifellos kann man die Interpretation der Antworten, gesammelt und aufbereitet, den nachfolgenden Patientinnen und Patienten wieder zur Verf\u00fcgung stellen. Ganz nebenbei befriedigt diese Suche die eigene Neugierde. Trotzdem kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass in diesem Prozess der Respekt vor den W\u00fcnschen der Klientin \/ des Klienten eine untergeordnete Rolle spielt. Steht die eigene Neugierde &#8211; oder gar die als Neugierde getarnte &#8222;Unf\u00e4higkeit&#8220; &#8211; vor den berechtigten Interessen des Gegen\u00fcbers?<br \/>\nIn meiner therapeutischen Sozialisation bin ich von einem analytischen Zugang zum Psychodrama gepr\u00e4gt worden. Mein erster Kontakt mit dieser Fachrichtung erfolgte mit einem Psychoanalytiker, der gelegentlich auch Psychodramagruppen anbot. Die Worte waren wichtig; die Gesten; das Innehalten und Reflektieren. Meine Eigentherapie absolvierte ich bei einem Psychoanalytiker. Hier habe ich den sch\u00f6nen Satz und Buchtitel &#8222;die leiste Stimme der Psychoanalyse ist beharrlich&#8220; kennen- und sch\u00e4tzen gelernt. Eine ganz andere Erfahrung habe ich in den Ausbildungsgruppen selbst gemacht. Diese haben eher den spielerischen Zugang zum Fach propagiert und der Therapie das &#8222;sakrale&#8220; genommen.<br \/>\nLange Jahre habe ich mich im Spannungsfeld der spielerischen Leichtigkeit aus der Ausbildungszeit und dem Tragend-Vorsichtig-Sein aus der Eigentherapie bewegt. Gelegentlich war ich mit meiner Ausbildung unzufrieden, weil ich ihr das Fehlen des Vorsichtigen, Beharrlichen und Nachhaltigen der Psychoanalyse vorgeworfen habe. Au\u00dferdem hatte meine therapeutische Arbeit sehr wenig mit dem Erleben aus der Eigentherapie gemein. Konnte so eine Arbeit trotzdem gut sein? Verschmitzt, provokant, theatralisch, gelegentlich oberfl\u00e4chlich oder tiefgr\u00fcndig, immer \u00f6fter unterbrochen von herzhaftem Lachen, gelegentlichen Plauderstunden, schwei\u00dftreibenden Rollenspielen und einer Settingzeit von 50 Minuten, die ich immer \u00f6fter \u00fcberzog.<br \/>\nHeute habe ich mich endg\u00fcltig von dem analytischen Anspruch an die Therapie verabschiedet. Zwar lese ich immer noch die psychoanalytischen AutorInnen lieber als die VertreterInnen anderer Schulen. Denn ich bin davon \u00fcberzeugt, dass das psychoanalytische Denk- und Krankheitsmodell am weitesten entwickelt ist und sehr nachvollziehbare Erkl\u00e4rungsmodelle f\u00fcr eine Vielzahl von St\u00f6rungen liefert. Genau so bin ich davon \u00fcberzeugt, dass PatientInnen, die mich aufsuchen, eher an schnellen und guten L\u00f6sungen interessiert sind. Anleihen nehme ich mir bei anderen Therapieschulen, allen voran der systemischen sowie der Hypnotherapie und deren Symbiose, der hypno-systemischen Therapie. Jede dieser Schulen leistet ihren Beitrag zur L\u00f6sungsfokusierung. Weiters habe ich mein Setting ver\u00e4ndert. Statt 50 Minuten arbeite ich jetzt \u00fcberwiegend 100 Minuten. Daf\u00fcr in gr\u00f6\u00dferen Zeitintervallen. Seitdem ich mich immer \u00f6fter darauf verlasse, dass mein Gegen\u00fcber selbst Verantwortung f\u00fcr die Wahl der Themen und den Grad der Intensit\u00e4t deren Bearbeitung \u00fcbernehmen kann, haben sich die Verweilzeiten in der Therapie deutlich verk\u00fcrzt. War vor f\u00fcnf Jahren nach eine durchschnittliche PatientIn knapp vier Jahre bei mir in Behandlung, hat sich die Betreuungszeit heute auf rund sechs Monate verk\u00fcrzt. Gelegentlich sind hilfesuchende Personen schon nach der ersten Einheit mit dem Ergebnis zufrieden und erkl\u00e4ren weitere Kontakte f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig. Das freut mich f\u00fcr sie. Genau diese Erfahrung aber hat bei mir zu einer weiteren Ver\u00e4nderung gef\u00fchrt: Neuerdings habe ich das Angebot der kostenlosen Erstberatung eingestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frage, die man mir und die ich mir immer wieder stelle, lautet: Was d\u00fcrfen sich KlientInnen \/ KundInnen \/ PatientInnen bei mir erwarten? 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